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Die fünf Wirtschaftsweisen und der Sozialdarwinismus

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Heute hat der 1953 ins Leben gerufene Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung das Jahresgutachten 2013/2014 mit dem Titel „Gegen eine rückwärtsgewandte Wirtschaftspolitik“ der Bundesregierung übergeben.

Ein Kommentar

Die fünf Weisen (Christoph M. Schmidt, Peter Bofinger, Lars Feld, Claudia M. Buch und Volker Wieland ) scheinen, bis auf Bofinger, jeglichen Realitätssinn verloren zu haben. Schon im Titel des Gutachtens wird dies deutlich. Die Wegbereiter der Agenda 2010 möchten eine „vorwärtsgewandte Wirtschaftspolitik“, was nichts anderes bedeutet, als die Agendapolitik fortzuführen. Die Weisen verteufeln u.a. den Mindestlohn, das Betreuungsgeld, die Mütterrente und eine Aufweichung der Rente mit 67. Der Begriff „Reform“ kommt in dem Gutachten 290 mal vor.

Das liest sich dann so, Zitat aus dem Gutachten.

„Die aktuelle wirtschaftliche Situation und die relativ gute Position Deutschlands im Vergleich zu den Krisenländern des Euro-Raums scheinen vielfach den Blick auf die großen zukünftigen Herausforderungen verstellt zu haben. So gehen viele der derzeit diskutierten Maßnahmen, wie etwa die Mütterrente, die Aufstockung von niedrigen Renten oder großzügige Ausnahmen von der Rente mit 67, überwiegend zu Lasten der kommenden Generationen. Die künftigen Herausforderungen werden sogar um ein Vielfaches schwerer zu bewältigen sein, wenn die Reformen der Agenda 2010 verwässert oder in Teilbereichen gänzlich zurückgenommen werden. Gleiches gilt für neue wachstums- und beschäftigungsfeindliche Maßnahmen, wie den Mindestlohn oder Steuererhöhungen.

Eine zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik vermeidet Maßnahmen, die zukünftig noch größeren Handlungsdruck erzeugen, sichert die Reformfortschritte  der Vergangenheit und verbessert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dies ist nötig, um vor dem Hintergrund des kommenden demografischen Wandels das Wirtschaftswachstum Deutschlands zu stärken und die Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte und Sozialversicherungssysteme sicherzustellen. Die Bundesregierung sollte dem Eindruck entgegenwirken, schmerzhafte Anpassungsprozesse in anderen Ländern zu erwarten oder sogar zu fordern, gleichzeitig aber vor unpopulären Maßnahmen im Inland zurückzuschrecken. Dieses Jahresgutachten zeigt zahlreiche Ansatzpunkte auf, wie die deutsche Politik ihre Vorbildfunktion ausfüllen und damit Verantwortung übernehmen kann.“

 

Quelle: Gutachten im PDF-Format

Dazu muss man wissen, das die Dame und die Herren Professoren aus Steuergeldern bezahlt werden und liefern auch den Beweis dafür, das Intelligenz mit Dummheit nichts zu tun hat. Nur das die Dummheit der hochbezahlten fünf Weisen enorme gesellschaftliche Auswirkungen hatte und weiterhin haben wird, da diese selbst in dem erlernten Fachgebiet, der Ökonomie, versagen.

Auf den Nachdenkseiten erschien vor einigen Tagen ein interessantes Interview mit dem Volkswirt und Wirtschaftsethiker Sebastian Thieme. Zitat daraus.

„Hinzu tritt, dass die Notwendigkeit solcher „Reformen“ mit negativen Menschenbildern begründet wurde und bis heute noch wird. Denken Sie nur an solche Aussprüche wie „Nur wer arbeitet, soll auch essen“. Oder an Ex-Kanzler Schröder, der damals im Bundestag meinte, dass in Deutschland kein Platz für Faulheit sei. Sein damaliger Superminister Clemens malte dann überdeutlich das Gespenst des Sozialmissbrauchs an die Wand und setzte dem Ganzen noch die Krone auf, indem er die Bezieher von Sozialtransfers mit „Parasiten“ verglich. Wortwörtlich hieß es auf Seite 10 des damaligen Reports des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit „Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ‚Abzocke‘ und Selbstbedienung im Sozialstaat“ [PDF – 183 KB]“

Und:

„Damit sind wir wieder am Anfang Ihrer Fragen. Meine These ist, dass in dem Maße, wie wir die Ökonomisierung unserer Lebensbereiche zulassen, sich dieses rational-kühle Menschenbild immer weiter ausbreitet und möglicherweise zunehmend an die Stelle anderer wichtiger gesellschaftlicher und humaner Werte tritt. Das bedeutet aber auch: Wir befinden uns in der Gefahr, immer weniger wie Menschen miteinander umzugehen.

Kann man darin eine Rückkehr des Sozialdarwinismus sehen? Oder lassen Sie es mich anders formulieren: Wird damit letztlich nicht das Recht der Stärkeren forciert?

Ja, hinter der eben erwähnten Entwicklung steht spürbar die Idee des natürlichen Daseinskampfs, in dem nur die Stärksten überleben. In gewisser Weise ist das aber auch ein banaler Zusammenhang: Mehr Wettbewerb bedeutet eben mehr Konkurrenz, mehr Auslese und stellt damit eine Rechtfertigung für das Recht der Stärkeren dar.

Ob es sich bei dieser Tendenz um eine Rückkehr handelt, das bezweifle ich jedoch. Denn das würde voraussetzen, dass es einmal eine Zeit gegeben hat, in der dieses Verständnis von „Sozialdarwinismus“ nicht galt. Genau das glaube ich ehrlich gesagt nicht.“

Quelle: Der Ökonom als Menschenfeind?

Nur der dem „Markt“ Angepasste hat ein Recht zu „Leben“.  Diese Geisteshaltung ist es, die den Nährboden für Extreme bereitet. Dabei hätten die fünf Weisen, in letzter Konsequenz gedacht, bei einer Wiederkehr des Faustrechts nichts zu lachen.

Auch Heiner Flassbeck hat sich zu dem Gutachten geäußert, er schreibt:

„Man muss sich das bildlich vorstellen: Rund um Deutschland tobt ein heftiger Sturm der Empörung über die deutsche Rolle in der Eurokrise und vor allem die Chuzpe der deutschen Politiker bei der Rezeption dieses Sturmes – und der Sachverständigenrat (SVR) setzt sich seelenruhig in seinen Ohrsessel hinter dem Ofen und denkt und schreibt, was er immer schon so gedacht und geschrieben hat. Er verteidigt die Agenda-Politik und predigt dabei wie immer die heile Marktwirtschaft. Damit ist eigentlich schon alles gesagt und man kann es sich schenken, in die 500 Seiten dieses Werkes auch nur hineinzuschauen.“

Quelle: flassbeck-enonomics.de

Und last but not least möchte ich auf einen Paukenschlag von Herrn Kreutzer hinweisen, der das Problem aus einem anderen Sichtwinkel betrachtet hat.

Internationaler Wettbewerb Vom Innenleben einer Worthülse

Eine grundlegende Änderung der Wirtschaftspolitik ist nicht in Sicht. Ich möchte mit einem Zitat von Einstein diesen Beitrag abschließen.

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

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2 Kommentare

  1. Hallo,
    Das riecht doch sehr nach Alibi für Mutti um nicht das Versprochene umzusetzen zu müssen.Da sollte die Politik der letzten Jahre weitergeführt werden.
    Für wie Blöd halten die uns denn?jetzt merkt vielleicht der letzte Depp der noch Wählen gegangen ist das Wahlen nichts ändern.Dann wären sie längst verboten.
    Die Vögel haben doch eh nichts zu sagen. Die BRiD ist eine GmbH und besetztes Land.

    Grüße

  2. In einer unfreien Wirtschaft, wie der heutigen, bestehen die Preise außer aus Lohnquoten auch aus Zinsquoten aller Art. Jede Behinderung der Konkurrenz wirkt monopolistisch, kürzt den Lohnanteil und erhöht den Zinsanteil. Den arbeitenden Menschen, denen nach aller Wissenschaft der Kuchen des Sozialproduktes allein gebührt, kann der Zinsbezieher, gestützt auf die Monopole, einen Teil ihres Arbeitsertrages vorenthalten.

    Es ergibt sich die nur auf den ersten Blick erstaunliche Tatsache, dass die Ausbeutung im Laufe der Jahrtausende ihrem Wesen nach gänzlich gleich geblieben ist. Es ist grundsätzlich dasselbe, ob in der Vergangenheit der Sklave als Arbeitsmotor infolge seiner persönlichen und daher wirtschaftlichen Unfreiheit unmittelbar für seinen Herrn fronen musste; oder ob im heutigen Privatkapitalismus der Arbeitende vorwiegend infolge des Geld- und Bodenmonopols – also infolge einer unfreien Wirtschaft – nur einen um den Zins verkürzten Arbeitsertrag erhält oder ob schließlich in dem von den Marxisten gepredigten Staatskapitalismus, der sich fälschlich als Sozialismus ausgibt, infolge der Monopolisierung nahezu der gesamten Wirtschaft durch den Staat der Grundsatz der wirtschaftlichen Unfreiheit zur höchsten Potenz erhoben, die Ausbeutung also auf die Spitze getrieben wird, wobei der Zwangsarbeiter zusehen muss, was – nach Befriedigung der Ansprüche der herrschenden Bürokratie und des riesenhaft aufgeblähten Staatsapparates, die begreiflicherweise den Vorrang genießen – zuletzt für ihn übrig bleibt. In allen drei Fällen ist das Ausbeutungsprinzip dasselbe geblieben, bedingt das Monopol die Einschränkung oder gar den Ausschluss der Konkurrenz und damit zugleich die Ausbeutung.

    Nur in der Technik der Ausbeutung besteht ein Unterschied. Während der Sklave bzw. Zwangsarbeiter in der Natural-, bzw. Kollektivwirtschaft unmittelbar lohnverkürzt werden, indem ihnen von vornherein nur ein Bruchteil ihres Arbeitsertrages zufällt, der Eigentümer, bzw. Arbeitgeber also zugleich auch der Ausbeuter ist, vollzieht sich die Erhebung des Zinses in der kapitalistischen Marktwirtschaft auf andere Weise:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/marktgerechtigkeit.html

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