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Die Krisenursache(n) verstehen

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Jede Krise hat eine oder mehrere Ursachen. Diese Feststellung ist banal. Dennoch findet keine Ursachenforschung statt. Die Menschen interessieren sich für das Warum und Wie, doch sie erhalten keine Antwort.

Um eine Krankheit zu heilen, einen Schaden zu beheben, muss man die Ursache erkennen. Erst wenn die Ursache erkannt ist, kann die Therapie, kann die Reparatur beginnen. Um die Ursache erkennen zu können, ist eine saubere Diagnose notwendig. Hat man das in der seit 2008 existierenden Krise gemacht? Nein, hat man nicht.

Zahlreiche Artikel und Bücher zur und über die Krise wurden und werden geschrieben. In der Regel behandeln sie jedoch nur Teilaspekte und auch das oft nur bruchstückhaft.

Es fehlt ein Gesamtbild, welches die Menschen ohne große Vorkenntnisse nachvollziehen und verstehen können, um sich eine Meinung bilden zu können. Dies ist eigentlich die originäre Aufgabe der Presse, doch die „vierte Säule“ der Demoktratie versagt.

Uns erreichen immer wieder Mails mit der Bitte, diesen oder jenen Sachverhalt zu erklären, Fragen zu beantworten oder mit der Aufforderung, „über dieses Thema müsst ihr mal schreiben“. Dieser Beitrag ist die Antwort. Diese Antwort ist inhaltlich lang. Wir verabschieden uns für diesen Beitrag von der „in-sechs-Minuten-lesbar“ Regel.

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Es wird auf zahlreiche Beiträge verwiesen. Die Reihenfolge der Verweise ist so gewählt, dass ein roter Faden erkennbar ist. Für Fragen, Anmerkungen, Wünsche und Kritik an die Autoren steht die Kommentarfunktion zur Verfügung.

Vorbemerkung

Eine funktionierende Wirtschaft ist das A und O einer Gesellschaft. Eine Wirtschaft, die den Menschen dient und nicht umgekehrt. Dafür bilden Hochschulen und Universitäten Menschen aus, dafür wählen die Bürger Volksvertreter, um das zu gewährleisten.

Nur eine Gesellschaft mit einer funktionierenden Wirtschaft ist in der Lage Probleme zu lösen, weil die Lösung dieser Probleme, wie z.B. in der Ökologie, in der Infrastruktur, im Bildungswesen etc. Geld kosten. Und Geld ist nun mal die Basis unseres Wirtschaftssystems. Die Geldsystemkritiker haben gute Argumente, sie haben auch Lösungen, doch auch diese sind nur mit einer funktionierenden Wirtschaft umsetzbar.

Wir haben aber in Deutschland keine funktionierende Wirtschaft mehr. Viele werden jetzt spontan widersprechen. Wir sind mit den Argumenten der Widersprecher bestens vertraut. Wir haben seit Jahrzehnten Massenarbeitslosigkeit in Deutschland und eine wachsende Armut.

Deutschland befindet sich wirtschaftlich und damit gesellschaftlich auf einem gefährlichen Weg. Das wird an zwei Sätzen deutlich, die Merkel innerhalb von wenigen Stunden gesagt hat, „Deutschland geht es gut“, wenig später dann, „Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“.

Rückblick

Manchmal erfordert die Ursachenerkennung einer Krankheit einen weiten Blick in die Vergangenheit. Daher werfen wir einen Blick auf den 14. März 2003. An diesem Tag gab Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eine Regierungserklärung mit dem Titel ab „Mut zum Frieden – Mut zur Veränderung“ den Reformstau beenden“. Diese Erklärung wird auch als „Agenda 2010 Rede“ bezeichnet.

Schröder hat hier die Begriffe Frieden und Veränderung geschickt miteinander verknüpft. Wobei man sich fragen muss, worin der Mut zum Frieden besteht. Haben wir etwa Angst vor Frieden? Hier nun die Rede von Schröder, die für einen Vorher/Nachher-Vergleich unumgänglich ist und wohl vor allem für jüngere Leser interessant sein dürfte.

Regierungserklärung von Gerhard Schröder vom 14.03.2003

Schröder kündigte in seiner Regierungserklärung Hartz-IV an. Wenige wussten zu diesem Zeitpunkt, worum es sich dabei konkret handelte. Die Agenda 2010 ist nicht die Ursache der Krise, sie ist nur eine Folge der Krisenursache, die jedoch in ihren Auswirkungen die Krise beschleunigt hat.

Und dies sind die Auswirkungen auf die Menschen in unserem Land von der Agenda 2010.

Schlange stehen für altes Brot – Armut in Deutschland

Die Agenda 2010 war Ausdruck der Hilf- und Ratlosigkeit der politisch Verantwortlichen, sie schwenkten nun vollständig auf den von Lobbyisten, Denkfabriken und anderen Akteuren vorgegebenen neoliberalen Kurs.

Ein Fehler, den die SPD bis heute mit miesen Wahlergebnissen quittiert bekommt und bekommen wird. Damit wird deutlich, das es der SPD an wirtschaftlichem Sachverstand mangelt, das gilt übrigens für alle im Bundestag vertretenen Parteien.

Diagnose

Um die Ursache der Krise zu erkennen, braucht es eine Diagnose. Auch ein Blick auf frühere Krisen wäre hilfreich, das würde aber hier zu weit führen. Deswegen beschränken wir uns auf die gegenwärtige Krise, zumal vorhergehende Krisen ähnliche Ursachen hatten.

Als Einstieg in die Diagnose verweisen wir auf Prof. Bontrup, dem es gelungen ist, in einem Kurzvortrag die Ursache zu benennen.

Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup

Aus aktuellem Anlass verweisen wir auf die Rede von Bundespräsident Gauck, die er anlässlich des 60. Jubiläums des Walter Eucken Instituts am 16. Januar in Freiburg gehalten hat.

Hier ein Auszug aus seiner Rede.

Wer dies im Hinterkopf hat, kann es übrigens nur höchst merkwürdig finden, dass der Begriff „neoliberal“ heute so negativ besetzt ist. Schließlich wandten sich Eucken und seine Mitstreiter selbst als sogenannte „Neoliberale“ genau gegen dieses reine „Laissez-faire“, das dem Neoliberalismus heute so häufig unterstellt wird. Ihnen hier im Saal erzähle ich damit nun gar nichts Neues. Aber in unseren öffentlichen Debatten wünsche ich mir schon mehr intellektuelle Redlichkeit, ein genaueres Hinschauen. Und damit wünsche ich mir auch etwas mehr historisches Bewusstsein und Anerkennung für das breite Spektrum des Liberalismus in unserem Land, das von Eucken und seiner Vorstellung von einem ordnenden Staat bis hin zu Friedrich August von Hayek reicht, der „spontanen Ordnungen“ mehr zutraute als dem Staat.

Komplette Rede

In dieser Rede offenbart sich völlige Unkenntnis darüber, welche Schneisen der Verwüstung der Neoliberalismus schon in der Welt angerichtet hat und sich auch nun bei uns anschickt, Gleiches zu tun, erkennbar für jeden, der sich mit diesem Thema beschäftigt.

Wer sich für das Wirken der Neoliberalen in der Welt interessiert, dem sei dieser Beitrag empfohlen.

Der ökonomische Putsch

Wir sind noch immer bei der Diagnose, die ist noch nicht zu Ende. Dabei ist die Diagnose ganz einfach: Es geht um Geld, um nichts anderes geht es. Man kann zu Geld auch Kapital sagen, doch dann läuft man schon Gefahr, in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden. Aber diese Diagnose ist zu einfach. Zu einfach deswegen, weil Geld und Wirtschaft untrennbar miteinander verbunden sind.

Auch Geld darf nur den Menschen dienen und nicht die Menschen dem Geld. Dieses Dienen ist der Grundgedanke der Sozialen Marktwirtschaft. Wir haben aber seit mindestens 30 Jahren keine Soziale Marktwirtschaft mehr.

Hier ein weiterer Vortrag von Prof. Bontrup.

Prof. Bontrup – Das Versagen der Mainstream-Ökonomie

Wir gehen nahtlos über zu:

Prof. Flassbeck – Warum die Ökonomen die Krise nicht verstehen

Interview mit Prof. Flassbeck – Das Ende der Massenarbeitslosigkeit

Interview mit Prof. Bontrup –  Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Nun dürfte die Ursache der Krise klar sein. Die Einführung des Euro ist nicht die Ursache, wie von Vielen propagiert. Er ist nur ein Brandbeschleuniger.

Wie konnte es dazu kommen?

Die Antwort ist einfach. Weil die parlamentarische Demokratie versagt hat. Versagt auf ganzer Linie. Das System der parlamentarischen Demokratie ist marode. Hier sei auf die zahlreichen Spendenaffäreren verwiesen. Parteien sind geistige Inzuchtvereine. Dabei heißt es im Grundgesetz:

Art 21

(1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. Ihre Gründung ist frei. Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen. Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft geben.

Sie wirken nicht mit, sie bestimmen. Parteifunktionäre sitzen in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Sitzen in zahlreichen Aufsichtsräten. Auch die innere Ordnung der Parteien entspricht nicht demokratischen Grundsätzen.

Aber auch hier verweisen wir auf einen Beitrag, der eine klare Sprache spricht. Der Artikel ist mehrteilig, die Links zur Fortsetzung findet man im Text.

Die entwickelten Demokratien der Welt stehen am Abgrund

Wir hoffen, das wir mit diesem Beitrag die meisten Fragen der Mailschreiber beantwortet haben. Es wird noch einen weiteren Beitrag geben. In dem beschäftigen wir uns mit Lösungen.

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4 Kommentare

  1. Ist schon interessant: Da wird über etliche Zeilen hinweg zur sogenannten „Krise“ geschnabelt, und dann findet sich im Text kein einziges Mal das Wort „Kapitalismus“. Es ist also offensichtlich verpönt, das Übel beim Namen zu nennen.

    Die Krise, die besteht, ist doch nichts anderes als die Krise des Kapitalismus.

    Oder anders: Die Hölle ist kein Ort sondern ein Verhältnis, und zwar ein gesellschaftliches, das einzige planetare gesellschaftliche Verhältnis mit Namen Kapitalismus. Über Krise zu schreiben und dabei das Übel nicht beim Namen zu nennen – eine wirklich ausserordentliche Leistung, die echten Verstand und eine ungemeine Geisteskraft erfordert. Das Ganze korrespondiert idealerweise mit der Floskel: Über Geld redet man nicht, man hat es (oder hat es nicht).

    Ihr alle, die ihr glaubt, über die „Krise“ zu schreiben, ohne auch nur ein einziges Mal das Übel beim Namen zu nennen – ihr seid voll gestört! Aber wahrscheinlich ist es ja so, dass ihr euch ganz gut im Kapitalismus eingerichtet habt, und dass ihr ums Verrecken dies nicht aufgeben möchtet.

    Es ist mehr als erbärmlich…

    • Ist schon interessant: Da wird über etliche Zeilen hinweg zur sogenannten “Krise” geschnabelt, und dann findet sich im Text kein einziges Mal das Wort “Kapitalismus”. Es ist also offensichtlich verpönt, das Übel beim Namen zu nennen.

      Wir haben bewusst auf diesen Begriff verzichtet.

      Die Krise, die besteht, ist doch nichts anderes als die Krise des Kapitalismus.

      Es ist nicht der Kapitalismus an sich, sondern die neoklassische Ausprägung, u.a.

      Ihr alle, die ihr glaubt, über die “Krise” zu schreiben, ohne auch nur ein einziges Mal das Übel beim Namen zu nennen – ihr seid voll gestört!

      Das Übel ist nicht der Name, das Übel ist, was Menschen Menschen antun, egal unter welchem Namen.

  2. Da hat wohl jemand den Kapitalismus nicht verstanden!
    Es IST der Kapitalismus, keine Krise innerhalb des Kapitalismus sondern der Kapitalismus IST die Krise! Hier wird gesagt, dass innerhalb des Kapitalismus eine sog. Soziale Marktwirtschaft gab…man darf dabei nicht vergessen, dass sich zu dieser Zeit der Kapitalismus mit dem Sozialismus messen MUSSTE um nicht unter zu gehen! Auch dieses sog. Wirtschaftswunder war keine eigene deutsche kapitalistische „Leistung/Errungenschaft“ sondern ein Zweck/ Geschenk auf pump.
    Genauso diese weit verbreitete Meinung „Worte sind nur leere Hülsen“ also quasi nur Worte ohne Inhalt/Bedeutung ist pseudo philosophischer Mist! Die Sache hat einen Namen! Dann sollte man ihn auch nennen.

    • Das Messer ist nicht der Mörder, sondern der Mensch, der dieses Messer zum Schaden eines anderen verwendet. So ist es auch mit dem Kapitalismus. Wer das verstanden hat, kann zu konstruktiven Alternativen kommen. Bislang sind diese aber nicht sichtbar. Der Kern des Kapitalismus ist Geld. Wir müssen das Wesen des Geldes verändern, dann verändern wir den Kapitalismus. Denken Sie mal darüber nach.

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