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Sparprogramme töten

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So lautet der Titel des vor wenigen Tagen im Verlag Klaus Wagenbach erschienen Buches von Sanjay Basu und David Stuckler. Sanjay Basu ist Assistenzprofessor für Medizin und Epidemiologe an der Universität Stanford, David Stuckler war Professor für politische Ökonomie in Harvard und ist jetzt Senior Research Leader der Universität Oxford. Der Buchtitel klingt provokant, ist jedoch das Fazit einer jahrelangen Recherche zu und Auswertungen von Sparprogrammen in verschiedenen Ländern.

Faktenreich und mithilfe zahlreicher Grafiken unter Einbeziehung von Schilderungen über Einzelschicksale belegen die Autoren die katastrophalen Auswirkungen der Sparpolitik. Durch Sparprogramme im Gesundheitswesen stieg die Kindersterblichkeit in Griechenland von 2009 bis 2011 um 40 %. Sparprogramme treffen zuerst die Schwächsten in einer Gesellschaft. Rentner, Arbeitslose, Kranke und Kinder.

Eine ausführliche Rezension folgt.

Der IWF und die Sparprogramme

Zahlreiche Ökonomen hielten die Sparprogramme für schädlich. Doch diese warnenden Stimmen verhallten bei beginn der Krise ungehört. Erst als der IWF in einer im Oktober 2012 erschienen Studie, „World Economic Outlook 2012. Coping with High Debt and Sluggish Growth“ einräumte, sich über das Ausmaß der schädlichen Wirkungen der Sparprogramme auf das Wirtschaftswachstum „geirrt“ zu haben, wurden diese Ökonomen gehört.

Noch deutlicher wurde der IWF in einer im Mai 2013 erschienenen Ex-Post Evaluation zur Griechenlandrettung. Darin wird all das bestätigt, was zahlreiche Exekutivdirektoren des IWF bereits im Mai 2010 dem Verwaltungsrat vorgetragen hatten.

Das WJS bekam im Oktober 2013 Einblick in geheime IWF-Dokumente.

Der brasilianische Exekutivdirektor Nogueira Batista in einem vorbereiteten Statement an den Verwaltungsrat für das Treffen am 9. Mai 2010:

„Die Risiken des Programms sind immens. … So wie die Dinge stehen riskiert das Programm, private durch öffentliche Finanzierung zu ersetzen. In anderen und drastischeren Worten: Es könnte nicht als Rettung von Griechenland gesehen werden, das sich einer schmerzhaften Anpassung unterziehen muss, sondern als Rettungspaket für die privaten Gläubiger von griechischen Schulden, vor allem europäische Finanzinstitute.

Der schweizerische Exekutivdirektor Rene Weber in einem vorbereiteten Statement an den Verwaltungsrat für das Treffen am 9. Mai 2010:

„Wir haben beträchtliche Zweifel an der Machbarkeit des Programms. … Wir haben Zweifel an den Wachstumsannahmen, die uns zu hoch erscheinen. Selbst eine kleine negative Abweichung von den Wachstumsprognosen würde das Schuldenniveau langfristig untragbar machen. Warum wurden eine Umschuldung und die Einbeziehung des Privatsektors im Rettungspaket bisher nicht in Betracht gezogen?“

Quelle und weitere kritische Statements: WJS

Etwas dramatisch formuliert kann man sagen, die Rettung der Vermögen der Reichen, Superreichen und europäischen Finanzinstitutionen bezahlen nun die Griechen nicht nur mit Armut, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit, sondern auch mit ihrer Gesundheit oder gar mit dem Leben.

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Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Verlag Klaus Wagenbach; Auflage: 1. (4. März 2014)
Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3803136497

Originaltitel: „The Body Economic. Why Austerity Kills“

Artikel zum Thema:

Der Krieg der Reichen gegen die Armen

Troika verletzt Menschenrechte

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Ein Kommentar

  1. Habe eine Online Petition ins Leben gerufen die für die Zeit danach eine Möglichkeit aufzeigt, wie wir unser Währungssystem auf eine faire, stabile Basis stellen können.

    https://www.openpetition.de/petition/blog/nicht-manipulierbare-waehrung-auf-der-basis-von-entropie

    Es ist komplex, aber auch dem 21.Jhdt angemessen. Bitte schaut Euch das an, und beteiligt Euch. (Es gibt Alternativen)

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