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Die Privatisierung des Krieges – Konflikte als Geschäftsmodell

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Die Privatisierung macht auch vor der Armee nicht halt. Von der Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen, werden militärische Dienstleistungen an „Private Militär-Firmen“ (PMF) ausgelagert. Dazu gehören auch qualitative Teile des staatlichen Gewaltmonopols. Namen wie Blackwater oder Halliburton hat man schon mal gehört oder gelesen, doch was diese Konzerne genau machen ist unbekannt.

Dabei sind das nur zwei Firmen von weltweit etwa 2.500 Unternehmen (Stand: 2010), die militärische Dienstleistungen anbieten. Mit geschätzt 1,5 Millionen Mitarbeitern hat diese boomende Branche in 2010 etwa 250 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Genauere Angaben sind schwierig, die Branche ist lichtscheu und alles andere als transparent. Verträge werden geheim gehalten.

Allein die KBR, Inc. (ehemals Kellogg Brown & Root, Inc.) beschäftigte 2007 51.000 Mitarbeiter davon waren 2066 21.000 Mitarbeiter im Irak beschäftigt.

Zwei empfehlenswerte Dokumentationen dazu:

Iraq For Sale The War Profiteers – A documentary on the privatisation of the Iraq war and the problems such policies have led to not least of all the creation of the militrary industrial complex.

Die Schattenarmee der USA im Irak

Unter Fachleuten unbestritten ist die Tatsache, das viele militärische Operationen ohne die PMFs gar nicht durchführbar wären. Ein weiterer Global Player ist MPRI (Military Professional Resources), welches nach eigenen Angaben mehr 4-Sterne-Generäle unter Vertrag hat als das Verteidigungsministerium der USA. MPRI hatte die kroatischen Kampfverbände vor Beginn der Militäroperation Operation Oluja ab November 1994 trainiert. MPRI wurde 2000 von L3 Communications übernommen und firmiert nun unter Engility.

Die bekannteste PMF dürfte wohl Academi (vormals Blackwater) sein. Wegen zahlreicher Vorfälle, auch Wikileaks war an der Aufdeckung beteiligt, geriet dieses Unternehmen in die Medien. Die bisher erwähnten „Dienstleister“ sind nur die Spitze eines Eisbergs. Weniger bekannt, aber ebenfalls dick im Geschäft ist Triple Canopy und BH Defense.

Auf weitere Auflistung von Unternehmen wird verzichtet, die Liste wäre sehr lang.

Ein neuer Player in der Riege der PMFs ist aufgetaucht. Google. Der Internetkonzern hat erst kürzlich Boston Dynamics, ein Robotik-Unternehmen und Roboter-Konstrukteur Schaft gekauft. Für 400 Millionen Dollar ging Deepmind, ein Unternehmen welches sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt an den Internetkonzern. Der neuste Coup ist der Kauf des Drohnenherstellers Titan Aerospace. Google als PMF zu bezeichnen scheint gewagt, doch die Strategieabteilung von Google verfolgt offenbar ein klares Ziel. Das Kerngeschäft von Google ist und bleibt die Dienstleistung rund um Daten, also Informationen.

Firmenstruktur

Die meisten PMFs sind als Aktiengesellschaft konzipiert. Die Beteiligungsstruktur ist nur schwer zu erkennen, die Wenigsten sind börsennotiert. Daher ist es auch so schwierig, belastbare Daten zu ermitteln. Zahlreiche PMFs wurden von ehemaligen Militärs gegründet. Die Boomphase begann nach dem Kalten Krieg, Anfang der 90er Jahre. Der zweite und dritte Golfkrieg etablierte die PMFs. Inwieweit Regierungen, Behörden und/oder Geheimdienste an der Gründung und/oder Beteiligung an diesen „Dienstleistern“ mitwirkten/mitwirken, um „Aktionen“ ohne parlamentarische Absegnung oder Kontrolle durchführen zu können, ist ebenfalls (bislang) nicht zu ermitteln.

Das Angebot der PMFs

Die Angebotspalette der PMFs deckt alles ab, was Kriegsführung benötigt. Das reicht von Sicherheitstrainings für Journalisten, Personen- und Objektschutz, Logistikaufgaben aller Art, kämpfende Einheiten, Installation und Wartung von IT-Systemen, Installation, Wartung und Bedienung von Waffensystemen (Drohnen, Roboter etc.). Ebenfalls dazu gehören Lieferung von modernsten Waffen, Ausbildung von Soldaten und Agenten.

Die Auftraggeber der PMFs

Zu den Auftraggebern gehören Regierungen, Geheimdienste, Rebellengruppen (Terroristen) und Konzerne. Oder besser gesagt, jeder der über das erforderliche Kleingeld verfügt. Während Firma X Piraten ausbildet, wie man schnell und verlustfrei Schiffe kapern kann um Lösegeld zu erpressen, bietet die gleiche Firma Reedereien ihren Schutz vor Piraten an. Namen können hier nicht genannt werden.

PMFs verdienen nur an Konflikten und Krieg. Konfliktherde zu schaffen, liegt im Interesse der PMFs. Frieden auf der Welt ist für PMFs ganz schlecht. Daher übernehmen sie seit vielen Jahren auch die Drecksarbeit (im Auftrag) der Geheimdienste. Mitarbeiter von PMFs reisen immer als Privatperson. Es sind keine Spione, schwer zu enttarnen, können sie Unruhen entfachen, unterstützen und eskalieren lassen.

Mitarbeiter von Academi (Blackwater) sollen in der Ukraine gesichtet worden sein. Es gibt zwar Hinweise, aber keine Beweise. Es ist aber kaum vorstellbar, das Mitarbeiter von PMFs NICHT in der Ukraine aktiv sind.

Werden PMFs im Auftrag von Regierungen und/oder Geheimdiensten aktiv, geniessen deren Mitarbeiter automatisch Immunität gegen Strafverfolgung. Während tote Soldaten gezählt werden müssen, ist dies bei getöteten Mitarbeitern der PMFs nicht der Fall.

Gefahr für Frieden und Demokratie

In einer Diplomarbeit hat sich Judith Innerhofer der Frage gewidmet, „Private Military Firms im Dienst westlicher Demokratien – das Ende des demokratischen Friedens?“

Ihre Kernthese:

Die wachsende Beanspruchung von Private Military Firms durch demokratische Staaten bedeutet eine Untergrabung der den Demokratien eigene Friedensfähigkeit.

Zur Diplomarbeit

Dieser Artikel hat das Thema nur am Rande gestreift. Dazu gibt es noch viel zu sagen und es wird nicht der letzte Artikel zum Thema sein. Wir wollten damit zeigen, das zu den Kriegsherren und deren Intressengruppen in den letzten Jahrhunderten aktuell ein weiterer Akteur die Bühne betreten hat: Konzerne, die nur vom Krieg leben und dadurch ihren Anteilseignern Profite erwirtschaften.

Wer sich für das Thema interessiert, hier einige Literaturempfehlungen.

Krieg als Dienstleistung
Private Militärfirmen zerstören die Demokratie

Christoph Links Verlag

Die Kriegs-AGs: Über den Aufstieg der privaten Militärfirmen

Der Einsatz von „Private Military Companies“ im modernen Konflikt: Ein neues Werkzeug für „Neue Kriege“?

von Laurent Joachim

Es gibt nur wenige Bücher zu diesem Thema. Bei Erstellung der Liste für die Literaturempfehlung haben wir festgestellt,
das einige Bücher nicht mehr lieferbar sind.

Auch aus journalistischer Sicht ist dieses Thema ein weißer Fleck. Verständlich, man legt sich mit einer Übermacht an, in jeder Beziehung.

Diesen Artikel abschließend, diesen Videobeitrag.

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